Archäologische Ausgrabungen auf dem Gelände der TU Dortmund
Auf einer Wiese an der Emil-Figge-Straße an der Technischen Universität Dortmund wurden bei Voruntersuchungen für eine geplante Freiflächen-Photovoltaik-Anlage die Spuren einer alten Siedlung entdeckt. Die Untersuchungen begannen Anfang 2026 im Rahmen einer Auflage der Stadt Dortmund.
Erste Funde und bedeutende Strukturen
- In den vergangenen 50 Jahren gab es in der Umgebung Einzelfunde aus der Jungsteinzeit, Eisenzeit, römischen Kaiserzeit und dem Mittelalter.
- Suchschnitte mit dem Bagger bestätigten das Vorhandensein archäologischer Befunde, woraufhin die Untersuchungsfläche erweitert wurde.
- Freigelegt wurden Siedlungsbefunde wie Grabenstrukturen, Pfostenüberreste sowie ein Grubenhaus.
- Keramikscherben wurden zunächst grob als vorgeschichtlich eingestuft; eine genauere Datierung soll unter anderem durch Radiokarbon-Datierung erfolgen.
- Zudem wurde ein nahezu vollständiges Tierskelett entdeckt, vermutlich von einem Pferd oder einem Esel.
Standortfaktoren und historische Einordnung
Das Areal an der Emil-Figge-Straße weist fruchtbare Lössböden sowie eine Nähe zu Quellen und wasserstauenden Schichten auf. Zudem liegt es an der historischen West-Ost-Handelsroute Hellweg, deren Verlauf heute weitgehend von der A40 nachvollzogen wird.
„Der Standort war gerade dazu prädestiniert, um sich hier niederzulassen“, erklärt Jan Rosbeck von der Unteren Denkmalbehörde. „Zum einen verfügt die Fläche über äußerst fruchtbare Lössböden, wie sie überall am Nordhang des Dortmunder Rückens beziehungsweise hier an den Stockumer Höhen vorzufinden sind. Dies lieferte den Siedlern ideale Bedingungen für Ackerbau und Viehzucht. Zum anderen liegt das Areal in unmittelbarer Nähe zu Quellen und wasserstauenden Schichten, die für eine vorgeschichtliche Siedlung von essenzieller Bedeutung waren.“
Zusammenarbeit und weiteres Vorgehen
Die Untere Denkmalbehörde arbeitete eng mit der Grabungsfirma EggensteinExca und der Technischen Universität Dortmund zusammen. So konnten die Befunde dokumentiert und gesichert werden, ohne den Baubeginn der Photovoltaikanlage zu verzögern.
„Voruntersuchungen sind oft der einzige Weg, um vorgeschichtliche Siedlungen für die Nachwelt zu sichern. Umso wichtiger ist es, dass Bauherrn und Denkmalbehörde frühzeitig miteinander ins Gespräch kommen. Das schafft Planungssicherheit für alle Beteiligten und ermöglicht uns, archäologische Funde sachgerecht zu dokumentieren." betont Stadtarchäologe Tobias Zacharias.
Photovoltaikanlage und wissenschaftliche Auswertung
- Nach Abschluss der Ausgrabungen wird auf der 14.000 Quadratmeter großen Fläche eine PV-Anlage mit rund 3.650 Solarmodulen errichtet.
- Die Anlage soll etwa 5 Prozent des Eigenbedarfs der TU Dortmund decken und eine Leistung von rund 1,60 MWp erreichen.
- Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Funde soll neue Erkenntnisse zur vor- und frühgeschichtlichen Besiedlung entlang des Hellwegs liefern.

