11. November 2025 / Aktuelles aus der Stadt

Was eine gute Trauerrede ausmacht: Trauerrednerin Beate Schwedler im Interview

💬 Trauerrede: Wie man Verstorbene authentisch würdigt und Trost spendet – Trauerrednerin Beate Schwedler erklärt die Kunst der persönlichen Ansprache

Was macht eine gute Trauerrede aus?

Die Nachfrage nach freien Trauerreden ist ungebrochen groß. Im Interview erklärt Trauerrednerin und Trauerbegleiterin Beate Schwedler, was Menschen in ihrem Ausbildungskurs an vier Wochenenden lernen können. Ziel ist es, das Leben eines verstorbenen Menschen möglichst authentisch zu würdigen.

Was wünschen sich die Hinterbliebenen von einer Trauerrede?

Beate Schwedler: Sie wollen, dass die Rede ihrem Angehörigen gerecht wird und zugleich wünschen sie sich Trost. Die Rede soll herzlich, liebevoll und echt sein. Angehörige spüren sofort, ob Worte bloß formelhaft oder wirklich von Herzen kommen.

Worin besteht der Unterschied in einer Rede, die Nähe zeigt?

Beate Schwedler: Eine gute Rede wird persönliche Erinnerungen oder kleine Alltagsgeschichten aufgreifen. Das bedeutet oft mehr als große Worte. Zu sagen „ihre Liebe war unendlich“ ist weniger aussagekräftig, als zu erzählen, worin sich die Liebe zeigte – zum Beispiel: „Im Urlaub gingen sie jeden Morgen gemeinsam um 6 Uhr im Meer schwimmen, eine kleine Auszeit als Paar.“ In den kleinen Alltagsgeschichten zeigt sich der Mensch oft am besten.

Darf eine Trauerrede auch ehrlich sein, wenn manches nicht so schön war?

Beate Schwedler: Ja, das darf sie. Es kommt auf die Perspektive an, die man einnimmt. Wenn etwa erwachsene Kinder von einem meist abwesenden Vater erzählen, kann man fragen, warum das so war. Oft zeigt sich, dass der Vater beruflich stark eingespannt war und viele Überstunden machte, um die Familie zu ernähren. So erscheint die Strenge in anderem Licht. Man kann auch fragen, welche Werte ihm wichtig waren – etwa Ehrlichkeit oder Fleiß. Es gibt keine Eigenschaft, die nur gut oder nur schlecht ist. Man kann fragen: Wann war sie hilfreich, wann schwierig?

Wie bringen Sie den angehenden Rednerinnen und Rednern diese Feinheiten bei?

Beate Schwedler: Durch Übung. Das Referieren bringt weniger als praktische Erfahrung. Die Teilnehmenden halten im Kurs drei Trauerreden, die sie selbst recherchiert und geschrieben haben. Die erste betrifft einen ausgedachten Fall. Später erzählen sich die Teilnehmenden gegenseitig von einem verstorbenen Menschen und schlüpfen dabei in die Rolle der Angehörigen. So erfahren sie, wie schwierig es sein kann, ehrlich über Verstorbene zu sprechen.

Wie kann man den verschiedenen Perspektiven gerecht werden?

Beate Schwedler: Im Kurs übernehmen andere Teilnehmende Rollen, wenn sie die Rede hören – etwa Ehefrau, Sohn oder Enkelkind. Diese Rollenübernahme funktioniert erstaunlich gut. Wer in die Rolle eines Kindes schlüpft, merkt schnell, ob die Rede auch das Kind einbezieht. Ziel ist ein ehrliches, wohlwollendes Bild, nicht das „Loben in den Himmel“.

Können Sie im Kurs die Angst vor dem Auftritt nehmen?

Beate Schwedler: Ja. Die Reden werden in einer echten Trauerhalle gehalten – im Haus am Gottesacker gegenüber vom Dortmunder Hauptfriedhof, mit Urne und allem Drum und Dran. An zwei Wochenenden trainiert Regisseurin und Präsenzcoach Barbara Müller Auftritt und Stimme. Das gibt Sicherheit.

Im nächsten Kurs von Januar bis März 2026 sind noch vier Plätze frei. Weitere Informationen unter www.forum-dunkelbunt.de/ausbildung-trauerredner-2026/.

Fakten zum Ausbildungskurs Trauerrede

Im Dortmunder Haus am Gottesacker wird 2026 eine zertifizierte Ausbildung für angehende Trauerrednerinnen und Trauerredner angeboten. Besonderer Wert wird darauf gelegt, sich in die Perspektive aller Angehörigen einzufühlen – auch von Kindern und Jugendlichen. Die Anmeldungen laufen.

Rückmeldungen von Teilnehmenden

Jule Weber, Poetry-Slammerin, Bochum: „Jetzt so ganz in echt mit den Emotionen der Hinterbliebenen konfrontiert zu sein, war etwas anderes als im Kurs. Ich bin sehr froh, meinen beruflichen Horizont erweitert zu haben. Der Kurs hat herausragend gut auf all das vorbereitet.“

Benedikt Ruhmöller, Ex-Bürgermeister, Ahlen: „Es waren anstrengende Wochenenden, und nun bin ich froh, das Zertifikat erworben zu haben. Besonders die praktischen Hilfestellungen für den Auftritt haben mir sehr geholfen. Ich fühle mich nun gerüstet, Trauerreden zu halten – unverstellt und zugleich zugewandt.“

Zum Kurs

Das Ausbildungsangebot befähigt dazu, den Lebensweg einer verstorbenen Person lebendig, wertschätzend und individuell darzustellen. Es gibt kein Standardkonzept. Ziel ist, authentisch zu sein und Menschen im Trauerfall unterstützend zu begleiten. Alle Teilnehmenden verfassen und halten im Laufe der vier Wochenenden drei Trauerreden.

Seminarplan 2026

  • Modul 1: Motivation, Grundlagen, Zielsetzung – Beate Schwedler
    Samstag, 17. Januar 2026 & Sonntag, 18. Januar 2026, jeweils 10–17 Uhr
  • Modul 2: Auftrittstechniken, erste Rede, Atem, Stimme, Artikulation, nonverbale Kommunikation – Beate Schwedler & Barbara Müller
    Samstag, 31. Januar 2026 & Sonntag, 1. Februar 2026, jeweils 10–17 Uhr
  • Modul 3: Zweite Rede, schwierige Themen – Beate Schwedler
    Samstag, 14. Februar 2026 & Sonntag, 15. Februar 2026, jeweils 10–17 Uhr
  • Modul 4: Marketing für Trauerrednerinnen und Trauerredner, dritte Rede, Zertifizierung – Beate Schwedler & Barbara Müller
    Samstag, 28. Februar 2026 & Sonntag, 1. März 2026, jeweils 10–17 Uhr

Die Ausbildung schließt ab mit der persönlichen Präsentation der dritten Trauerrede und der Zertifizierung.

Seminarort

Trauerhalle im Haus am Gottesacker
Am Gottesacker 52, 44143 Dortmund
(Trauerhalle der Friedhofsgärtner Dortmund eG)

Kosten

Die Kosten für den gesamten Kurs betragen 2.400 Euro (inklusive 7 % Mehrwertsteuer) für vier Wochenenden mit Getränken und Pausenimbiss. Zusätzliche Kosten können durch Übernachtung oder Abendessen entstehen. Diese sind selbst zu organisieren.

Anmeldung

Weitere Informationen und Anmeldung unter Tel. 0231 – 533 89 800 oder E-Mail: beateschwedler@forum-dunkelbunt.de

Kursleitung

  • Beate Schwedler 
    Trauerrednerin, Trauerbegleiterin (BVT), Klinische Seelsorgeausbildung / Spiritual Care (BVT)
  • Barbara Müller 
    Regisseurin, Schauspieltrainerin, Präsenzcoach

Weitere Informationen für Medien

www.kindertrauerzentrum-dortmund.de
Hörder Rathausstraße 12, 44263 Dortmund-Hörde
Tel.: 0231 – 533 89 800
E-Mail: hallo@kindertrauerzentrum-dortmund.de

Kontakt: Beate Schwedler
E-Mail: beateschwedler@kindertrauerzentrum-dortmund.de
Mobil: 0177 – 80 22 111

Trägerverein

DEUTSCHE KINDERHOSPIZDIENSTE E.V. (vormals Forum Dunkelbunt e.V.)
Dresdener Straße 15 (Hinterhaus), 44139 Dortmund

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