11. November 2025 / Aktuelles aus Deutschland und der Welt

Zugspitz-Kreuz im Tal – Hunderte Sticker müssen runter

Das Gipfelkreuz der Zugspitze bekommt ein goldenes Makeover. Nötig wurde die Restaurierung durch einen gefährlichen Trend unter den Besuchern.

Das Kreuz der Zugspitze wurde für eine Restaurierung ins Tal geflogen.

Das über und über mit Aufklebern bedeckte Gipfelkreuz der Zugspitze ist für eine Restaurierung ins Tal geflogen worden. Hunderte Sticker verunzierten zuletzt das markante Kreuz auf Deutschlands höchstem Berg. Der Trend, sich auf diese Weise zu verewigen, sei zudem ein Sicherheitsrisiko, sagte die Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn, Laura Schaper. Nun sollen die Aufkleber entfernt und die Vergoldung des Kreuzes zum Teil erneuert werden.

Selfie-Rausch und Absturzgefahr 

«Wir erhoffen uns durch die Aktion, dass noch mehr Menschen das zweite Gipfelkreuz bei uns in der Ausstellung benutzen. Denn hier sollen und dürfen unsere Gäste ihre Sticker sicher und risikolos aufkleben», erläuterte Schaper. Immer höher hatten sich Touristen auf dem engen Gipfel nah des Abgrunds mit akrobatischen Übungen nach oben gereckt oder waren gar am Kreuz hochgeklettert, um ihre Aufkleber anzubringen – unter großer Absturzgefahr.

Auch der Weg von der Bergstation hinüber zum echten Kreuz ist - wenngleich kurz - nicht ohne Gefahren. Oft liegt an der kurzen Kletterstelle Schnee, der Fels ist von den vielen Besuchern glatt geschabt und zuweilen rutschig. Und mancher trägt gar Turnschuhe oder noch ungeeigneteres Schuhwerk. Zudem herrscht an schönen Tagen regelrecht Gedränge auf dem engen Gipfel: Auch Selfies vor der spektakulären Kulisse sind begehrt.

Anspruchsvoller Abtransport

Die Demontage und der Transport des 4,88 Meter hohen und 300 Kilogramm schweren Kreuzes ins Tal war aufwendig. Ein Helikopter holte es am Gipfel in 2.962 Metern Höhe ab. «Die Herausforderung war sicher der starke Wind oben auf der Zugspitze», schilderte Pilot David Ruech. Über dem Gipfel, dem höchsten Punkt in der Umgebung, sei man sehr ausgesetzt. «Wenn so ein starker Wind da oben geht, ist immer das größte Ziel, das Ganze maximal kontrolliert zu machen», betonte Ruech. Es sei aber alles reibungslos abgelaufen.

Angekommen im Tal, wurde das Kreuz auf einem Anhänger in die Werkstatt der Kunstschmiedin Andrea Würzinger nach Eschenlohe gebracht, deren Vater das Kreuz 1993 gebaut hat. Würzinger wird die dicke Schicht Aufkleber vorsichtig entfernen, den Untergrund schleifen und anschließend Lack und neues Blattgold aufbringen.

Sie habe 500 Blatt hauchdünnes Blattgold in der Größe von acht mal acht Zentimeter bestellt, sagte Würzinger. Kosten: rund 1.500 Euro. Der Goldpreis ist hoch. «Wir wollen versuchen, nur da zu vergolden, wo kein Gold mehr ist.» 

Kreuz mit Geschichte

Die Sticker-Wut der Besucher ist in den vergangenen Jahren eskaliert. Als das Kreuz etwa 15 Jahre nach seiner Errichtung erstmals nachvergoldet wurde, hätten darauf drei Sticker geklebt, berichtet Würzinger. Bei der Neuvergoldung zum Start der neuen Zugspitzseilbahn 2017 waren es bereits rund 70 – und nun kleben Hunderte Sticker in drei Lagen auf dem Kreuz.

Würzinger wird sich auch die vier Strahlen des Kreuzes genau ansehen. Schon zwei Mal war in der Vergangenheit einer davon abgebrochen. Die Kunstschmiedin vermutet, dass sich Besucher im Winter, wenn der Schnee hoch genug liegt, für ein Foto an die Strahlen hängen. Dabei könnten kleine Risse entstehen, sodass später ein kräftiger Sturm reicht, um einen Zacken abzureißen – zumal in der Höhe neben dem Wind auch extreme Temperaturschwankungen auf das Material wirken.

Neuer Glanz zum Start der Skisaison

Zum Start der Skisaison am 28. November – so hoffen die Zugspitzbahn und die Kunstschmiedin – sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und das Kreuz wieder auf seinem Platz stehen. Allein die Restaurierung soll nach Angaben der Bayerischen Zugspitzbahn einen niedrigen fünfstelligen Eurobetrag kosten.

Schüsse, Aufkleber und ein Zweitkreuz

Die Würzingers sind seit Jahrzehnten die Zugspitz-Gipfelkreuz-Spezialisten. Vater Franz war in den 1990er Jahren mit dem Bau des neuen Kreuzes beauftragt worden, da das originale Kreuz aus dem Jahr 1851 nicht mehr zu reparieren war. Das Original ist im Museum Werdenfels zu sehen. Es weist Einschusslöcher auf. Am 28. April 1945 hatten sich laut dem ehemaligen Museumsleiter Josef Kümmerle amerikanische Soldaten auf den Gipfel fahren lassen und das Kreuz beschossen.

Das neue Kreuz ist seither sehr beliebt. Um Gästen eine sichere und für alle zugängliche Möglichkeit zu geben, Aufkleber anzubringen, hat die Bayerische Zugspitzbahn inzwischen an der Bergstation ein zweites, kleineres Kreuz nach dem Abbild des Originals aufgestellt, das nach Lust und Laune beklebt werden darf.


Bildnachweis: © Peter Kneffel/dpa
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