Tag der Produktivität: Zwischen Leistung und Leerlauf
Am 20. Juni ist „Tag der Produktivität“. Ein Feiertag für To-do-Listen, Hochleistungs-Kaffeekonsum und schweißgetränkte Tastaturen. Ursprünglich wurde der Tag in den USA eingeführt, um Menschen zu motivieren, „mehr aus ihrer Zeit zu machen“. Doch was klingt wie ein Motivationsplakat im Großraumbüro, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Denkmal des neoliberalen Arbeitsethos.
Mehr leisten, weniger leben?
Produktivität – das Zauberwort moderner Arbeitskultur. In Apps gegossen, mit Bonusprogrammen belohnt, in Coachings gepredigt. Wer nicht effizient ist, gilt als faul, rückständig oder – noch schlimmer – nicht „ambitioniert genug“.
Doch was sagt dieser Feiertag eigentlich über uns aus? Und warum feiern wir ausgerechnet das Prinzip, das uns in die Burnout-Welle, den Selbstoptimierungszwang und die durchgetaktete Kalenderknechtschaft getrieben hat?
Kapitalismus in Reinform
Und genau hier liegt das Problem: Während ganz normale Menschen jeden Tag versuchen, ihre Zeit möglichst sinnvoll und effizient zu nutzen – etwa durch genaue Planung, To-do-Listen oder Zeitmanagement – gibt es andere, die mit öffentlichen Geldern sehr locker umgehen. Zum Beispiel Politiker, die in der Corona-Zeit Schutzmasken zu überteuerten Preisen eingekauft haben. Ein bekanntes Beispiel ist Jens Spahn, der damals Bundesgesundheitsminister war. Es wird ihm vorgeworfen, Milliarden Euro in fragwürdige Verträge gesteckt zu haben, von denen bestimmte Unternehmen stark profitiert haben.
Jetzt fragt die Bürgerbewegung Campact ganz öffentlich: Sollte es nicht einen Untersuchungsausschuss geben, der genau prüft, was damals wirklich passiert ist?
Das zeigt einen deutlichen Widerspruch: Für viele Menschen ist es Pflicht, ständig produktiv zu sein. Wer das nicht schafft, gilt als faul oder unorganisiert. Aber in der Politik scheint das Thema „Produktivität“ nicht so ernst genommen zu werden – dort gibt es offenbar eine ganz andere Vorstellung davon, wie man mit Zeit und Geld umgehen darf.
Und dieses Schreiben hier – also das Nachdenken über diesen Widerspruch und das Aufschreiben dieser Gedanken – ist übrigens auch ein Akt von Produktivität. Nur eben ein anderer: Einer, der nicht dem Geld, sondern dem Denken dient.
Zeit zum Umdenken
Vielleicht sollten wir den Tag der Produktivität umwidmen: Zum Tag der produktiven Pause. Ein Hoch auf das Nichtstun, das ziellose Grübeln, das Langeweile-Aushalten. Denn manchmal ist der wichtigste Fortschritt der, kurz stehen zu bleiben.

