Bio-Boom in Deutschland: Umsätze steigen auf Rekordniveau, Anbaufläche hinkt hinterher
Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland zeigen eine historisch hohe Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln. Der Markt steuert im Jahr 2025 auf einen neuen Umsatzrekord zu. Dies geht aus einer aktuellen Studie der Dualen Hochschule Baden-Württemberg hervor. Die Schätzung prognostiziert einen Umsatzanstieg von voraussichtlich etwa 10 Prozent auf rund 18,7 Milliarden Euro. Mit diesem Ergebnis würde der Rekordwert aus dem Vorjahr nochmals übertroffen werden. Dieses starke Wachstum unterstreicht die zunehmende Relevanz von Bio-Produkten im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Allerdings steht die heimische Landwirtschaft vor der Herausforderung, mit der rasant steigenden Nachfrage Schritt zu halten, da die Anbaufläche nur langsam wächst.
Hauptelement: Die Gründe für den steigenden Umsatz und Marktstruktur
Wer? Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland sowie Handelsketten. Was? Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln steigt voraussichtlich um 10 Prozent auf 18,7 Milliarden Euro und übertrifft damit den Vorjahresrekord. Wann? Die Prognose gilt für das laufende Jahr 2025 (Datenbasis 11.11.2025). Wo? Der Bio-Boom findet primär in Deutschland statt. Wie? Die Umsätze steigen durch vermehrte Käufe im Lebensmitteleinzelhandel und den Discounter-Bereich. Warum? Ein Rückgang der Inflation führt zu weniger preisbewusstem Einkaufen, was häufiger zum Kauf von Bio-Produkten führt. Die meisten Bio-Produkte werden im Lebensmitteleinzelhandel verkauft, wobei die Marktanteile der Discounter knapp vor denen der Supermärkte liegen. Diese Handelsketten haben in den vergangenen Jahren ihr Bio-Sortiment erheblich ausgebaut, um der gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden. Auch die Drogerien verzeichnen eine große Relevanz und konnten bei ihren Bio-Umsätzen seit 2021 prozentual die stärkste Zunahme verbuchen. Im Gegensatz dazu wird lediglich etwa jeder zehnte Euro in traditionellen Bioläden ausgegeben.
Der Anteil von Bio-Produkten am gesamten Lebensmittelumsatz wird laut Studie zum Jahresende voraussichtlich knapp sieben Prozent betragen. Trotz dieses noch geringen Anteils wächst der Sektor deutlich stärker als der Lebensmittelmarkt insgesamt. Bei Bio-Produkten greifen die Verbraucher inzwischen immer häufiger zu Eigenmarken der Handelsketten. Mehl, Öl und Milchprodukte aus ökologischem Anbau konnten laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft in diesem Jahr am stärksten zulegen.
Hintergrundinformationen und Herausforderungen der Landwirtschaft
Ein wichtiger Faktor für die gestiegene Kaufbereitschaft ist die abnehmende Inflation, die es den Menschen ermöglicht, weniger preisbewusst einzukaufen. Studienautor Professor Stephan Rüschen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg merkt hierzu an, dass die abnehmende Inflation die Menschen häufiger zu Bio-Produkten greifen lasse. Ein gestiegenes Bewusstsein für Nachhaltigkeit könne dabei jedoch nicht eindeutig nachgewiesen werden. Dennoch sehen die Befürworter von Bio-Produkten einen klaren Mehrwert für Umwelt und Sicherheit. Experten zufolge kann die heimische Produktion jedoch mit der rasant steigenden Nachfrage der Konsumenten kaum mithalten. Die Anbaufläche für Ökolandbau wuchs zuletzt nur langsam. Im vergangenen Jahr wurde auf gut 11 Prozent der Agrarfläche hierzulande ökologischer Landbau betrieben.
Tina Andres vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft unterstreicht die Wertschätzung der Konsumenten: „Die Menschen kaufen die Produkte, weil sie wissen, dass Bio sicher und umweltfreundlich ist.“ Deshalb setzten die Händler auch immer mehr auf Bio. Der Bio-Markt hat über viele Jahre an Bedeutung gewonnen.
Politische Ziele und ökologischer Ausblick
Die deutsche Bundesregierung verfolgt das ambitionierte Ziel, 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche bis zum Jahr 2030 ökologisch zu bewirtschaften. Angesichts der aktuell nur 11 Prozent ökologisch bewirtschafteter Fläche im vergangenen Jahr und des langsamen Wachstums der Anbaufläche sind hierfür noch erhebliche Anstrengungen notwendig. Der Bio-Boom stellt somit sowohl eine Chance als auch eine enorme Herausforderung für die Agrarpolitik dar. Eine schnellere Umstellung auf ökologischen Landbau wäre nötig, um die Abhängigkeit von Importen zu verringern und die heimische Wertschöpfung zu stärken.
- Umsatzzuwachs von Bio-Produkten liegt bei etwa 10 Prozent.
- Die meisten Umsätze werden im Lebensmitteleinzelhandel generiert, gefolgt von Drogerien.
- Die Bundesregierung strebt 30 Prozent Ökolandbau bis 2030 an.
- Mehr Infos zur Dualen Hochschule Baden-Württemberg.
- Mehl, Öl und Milchprodukte verzeichneten das stärkste Wachstum im Bio-Bereich.

