EU-Pläne für Highspeed-Zugnetz: Berlin-Wien in 4,5 Stunden, München-Rom in 6 Stunden
Die Europäische Kommission hat ehrgeizige Pläne für den Ausbau des Transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-T) vorgelegt, um die Bahn als attraktive Alternative zu Kurzstreckenflügen zu etablieren. Das Ziel: Die Fahrzeiten zwischen Europas Metropolen sollen drastisch verkürzt werden. Bis 2030 soll die Reise von Berlin nach Wien über Prag nur noch viereinhalb statt acht Stunden dauern, die Strecke von München nach Rom sechs statt über neun Stunden und die Verbindung Berlin-Kopenhagen vier statt sieben Stunden.
Attraktivere Reisezeiten und gewaltige Kosten
- Wichtige europäische Knotenpunkte sollen zukünftig mit 200 km/h und mehr angefahren werden. Die Kommission prüft derzeit, ob höhere Geschwindigkeiten von deutlich über 250 km/h möglich sind.
- Die geschätzten Kosten für den Ausbau des Netzes belaufen sich bis 2040 auf rund 345 Milliarden Euro. Bei einem Ausbau auf 250 km/h könnten die Kosten auf etwa 550 Milliarden Euro steigen.
- Zur Finanzierung setzt Brüssel auf eine Kombination aus nationalen Geldern und Krediten der Europäischen Investitionsbank (EIB).
- EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas versprach: „Wir möchten ein neues Reisezeitalter einläuten.“
Herausforderungen in Deutschland und neue Buchungsplattform
Die Umsetzung des Hochgeschwindigkeitsnetzes steht vor erheblichen Herausforderungen, insbesondere im zentralen Transitland Deutschland. Die Deutsche Bahn (DB) begrüßt die Pläne, betont jedoch: „Wir sehen eine steigende Nachfrage und ein dementsprechend großes Potenzial für ein europäisches Hochgeschwindigkeitsnetz.“ Die DB-Sprecherin räumt aber ein, dass allein die Sanierung der 42 meistbefahrenen Schienenkorridore bis 2036 dauern wird, was die EU-Ziele verzögern könnte. Zudem sind zusätzliche Finanzierung und der Ausbau weiterer Hochgeschwindigkeitsstrecken erforderlich.
Ein weiteres Problem ist die technische Kompatibilität: Das europaweite Netz erfordert die flächendeckende Installation eines neuen, einheitlichen Verkehrsleitsystems für Eisenbahnen (ERTMS), welches das Zugsicherungssystem ETCS und einen neuen Bahnfunkstandard umfasst. Die DB räumt ein, dass die EU-Standards für Geschwindigkeit und ERTMS bis 2030 nur teilweise erreichbar sind.
Die EU-Kommission plant, bereits im nächsten Jahr eine neue Buchungsplattform vorzustellen. Das Ziel ist es, grenzüberschreitende Fahrscheine verschiedener Verkehrsunternehmen mit „nur einem Klick“ zu buchen. Erste Schritte in diese Richtung hat die DB bereits unternommen: Seit September können über die DB-Kanäle auch Tickets für Züge der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) gebucht werden. Zudem gelten Fahrgastrechte bei durchgehender Buchung grenzüberschreitend. Insgesamt bieten die DB derzeit gut 300 grenzüberschreitende Verbindungen pro Tag an.

