Niederländische «Hätschel-Armee» überdeckt Hasskommentare gegen Politiker mit Liebe und Herz-Emojis
Im laufenden Wahlkampf in den Niederlanden, der in einem Klima zunehmender Bedrohungen und Hassattacken gegen Politiker stattfindet, hat sich eine ungewöhnliche Bürgerinitiative formiert: die «Hätschel-Armee» (Troetelleger). Diese Initiative setzt auf eine verblüffende Methode, um Online-Hasskommentare zu bekämpfen. Sobald ein Politiker in den sozialen Medien Ziel von hasserfüllten Botschaften wird, werden die Mitglieder der «Hätschel-Armee» alarmiert, um massenhaft positive und liebevolle Nachrichten zu senden. Die Niederlande wählen am 29. Oktober 2025 ein neues Parlament, und seit Beginn des Wahlkampfes hat die Zunahme der Attacken, die Politiker verschiedener Parteien betreffen, besorgniserregende Ausmaße angenommen. Die Regierung hat bereits reagiert, indem Wahlkampfveranstaltungen extra gesichert und der Personenschutz von Spitzenkandidaten verstärkt wurden, da Politiker bereits mehrfach öffentliche Auftritte aus Angst vor Übergriffen absagen mussten.
Hauptelement: Die Funktionsweise der «Troetelleger»
Wer? Die unabhängige Bürgerinitiative «Hätschel-Armee» (Troetelleger) mit über 2000 mitmachenden Bürgerinnen und Bürgern sowie die separate Aktion «Hoffnungssäer» (Hoopzaaiers). Was? Die Initiative überdeckt Hassattacken gegen Politiker in sozialen Medien mit massenhaft positiven Botschaften, Herzchen und Hashtags. Wann? Die Aktion läuft seit knapp einem Monat im Vorfeld der Parlamentswahl am 29. Oktober 2025. Wo? Die Aktion findet im niederländischen Wahlkampf in sozialen Medien statt. Wie? Über Kommunikationskanäle wie Whatsapp oder Signal erhalten Helfer einen Link und die Bitte, eine liebe Reaktion oder kurze positive Kommentare zu senden. Warum? Ziel ist es, Hasskommentare unsichtbar zu machen, Algorithmen positiv zu beeinflussen und andere von negativen Posts abzuschrecken.
Ana Karadarevic von der Initiative berichtete der Deutschen Presse-Agentur, dass bereits mehr als 2000 Bürgerinnen und Bürger an der «Hätschel-Armee» teilnehmen. Die Initiatoren sehen ihre Methode als erfolgreich an: Durch Hunderte von positiven Berichten würden die hasserfüllten Botschaften nicht mehr auffallen, und es sei sogar möglich, einen Algorithmus positiv zu beeinflussen. Ein weiterer Effekt sei die Abschreckung anderer davor, ebenfalls negative Posts zu senden, da Hass laut Karadarevic zwar ansteckend sei, aber stoppe, wenn er nicht sichtbar werde. Die Zunahme der Attacken gegen Politiker im Wahlkampf wird auch von der Bürgerbewegung «Hoffnungssäer» (Hoopzaaiers), die die Aktion ins Leben rief, beobachtet. «Wir wollen zeigen: Wir sind mehr als ihr», so Karadarevic. Sie berichten, dass sie immer mehr Tipps bekommen, wem sie freundliche Berichte schicken sollten, und sich gleichzeitig immer mehr Helfer melden.
Hintergrund und konkrete Einsätze
Die «Hätschel-Armee» rückt seit knapp einem Monat zwei- oder dreimal in der Woche aus. Die Helfer werden über Dienste wie Whatsapp oder Signal mit einem Link alarmiert und gebeten, eine liebe Reaktion zu schicken, die kurz sein oder auch nur aus ein paar Herzchen bestehen könne. Die positiven Posts werden oft mit den Hashtags «#troetelleger» und «#hoopzaaiers» gekennzeichnet. Ein konkretes Beispiel für den Einsatz der Initiative war eine Hasslawine, die Anfang der Woche gegen die Amsterdamer Bürgermeisterin Femke Halsema nach der Preisverleihung eines Queer-Magazins gerichtet war. Daraufhin schickte die «Hätschel-Armee» hunderte von positiven Posts und viele rosa Herzchen, sodass die negativen Berichte in der Masse der Zuneigung nicht mehr sichtbar waren.
„Das kann ganz kurz sein oder auch nur ein paar Herzchen“, so Ana Karadarevic von der Initiative.
Zukunft der Bürgerinitiative und Social Media
Die Methode der «Hätschel-Armee» zeigt eine innovative Reaktion der Zivilgesellschaft auf die zunehmende Verrohung der Sprache in den sozialen Medien, insbesondere in politisch aufgeladenen Zeiten wie dem Wahlkampf. Der Erfolg der Initiative hängt davon ab, dass die Zahl der positiven Reaktionen die Menge der Hassbotschaften konstant übersteigt. Die schnelle und koordinierte Alarmierung der über 2000 Teilnehmer über digitale Kanäle ist dabei ein Schlüssel zum Erfolg. Langfristig könnte diese Form der zivilen Netz-Intervention ein Modell für den Schutz von Personen des öffentlichen Lebens gegen organisierte Online-Angriffe darstellen.
- Über 2000 Bürgerinnen und Bürger machen bei der «Hätschel-Armee» mit.
- Die Armee rückt zwei- bis dreimal pro Woche aus.
- Die Aktion nutzt Hashtags wie #troetelleger und #hoopzaaiers zur Kennzeichnung.
- Die Parlamentswahl in den Niederlanden findet am 29. Oktober 2025 statt.

